Der kleine Lionel: 10 Fragen - 10 Antworten - Interview mit Shida Pourhosseini - Yoga für Nachwuchsfussballer

Hallo Shida! Danke für den netten Kontakt im Voraus und schön, dass Du dich für 10 Fragen – 10 Antworten von Der kleine Lionel bereit erklärt hast, um uns Einblicke und Erfahrungen aus deiner sportlichen Arbeits- und Lebenswelt zu geben!

Shida, erzähl uns etwas über dich: Wer bist Du? Was machst Du? Wie kam es dazu?
Ich bin Shida, Mutter von einem dreizehnjährigen Sohn, der seit Bambinialter leidenschaftlich u.a. Fußball spielt. Mein Lebensgefährte, der als Profitorwart bis in der 2. Bundesliga spielte, trainiert derzeit auch die Mannschaft unseres Sohnes. Er ist an einem Gymnasium mit Schwerpunkt Sport und unterrichtet dort u. a. auch Sport und betreut die talentierten Fußballer. Ich selbst arbeite in der IT-Branche und begann nach der Geburt meines Sohnes mit Yoga. Yoga sollte mir einen ruhigen Ausgleich zu meinem eher zahlenlastigen und stressigeren Job geben. Yoga wurde jedoch mehr. Es wurde ein Teil meines Lebens. Ich begann 2009 eine Yogalehrerausbildung und eröffnete 2011 ein Yogastudio in Darmstadt. Dort kristallisierte sich u.a. nach einiger Zeit ein Kurs mit Athleten. Die meisten spielten Basketball, waren Marathon-, Hobbiyläufer oder Triathleten. Es kamen aber auch welche aus dem Eishockey. Das bereitete mir besonders viel Spaß. Schon von klein auf zählte Sport bei mir in der Familie als wichtiger Ausgleich zu Schule und heute zum Beruf.   Ab und an unterrichtete ich auch ganze Sportmannschaften, Kindergruppen und auch die Fußballmannschaft von meinem Sohn in Yoga als Ergänzung zum Training. Als ich 2014 beschloss mein Studio zu verkaufen, kamen dennoch weiterhin Anfragen. Ich hatte das Glück, Partner der Lilien (SV Darmstadt 98) zu sein und so kam der Kontakt zu dem Verein. Dort durfte ich nach einer Probestunde gemeinsam mit meiner Freundin das Yogatraining für den SV Darmstadt 98 führen. Das Training war wöchentlich fest im Trainingsprogramm integriert. Es fand immer am Peek-Trainingstag statt und ersetzte ein Krafttraining von 90 Minuten. Ein halbes Jahr später fragte dann der 1. FSV Mainz an, ob ich ein Probetraining halten würde. Das Training mit den 05er war eher regenerativ und fand nur alle zwei Wochen für 60 Minuten statt. Das lag daran dass das Spielpensum neben den Bundesligaspielen höher lag aufgrund der Europa-Leaguespiele. Seit dem kommen immer mehr Sportler zu mir, wie der Weltmeisterschwimmer Marco Koch oder Profitriathletin Daniela Sämmler, aber auch Amateursportler und auch ambitionierte Fußballjugendmannschaften. Eine Ausbildung zur zertifizierten Blackroll® Trainerin ergänzt mein Profil. Derzeit bin ich beschäftigt mit Blackroll® ein Buch zusammenzustellen mit Yogaübungen – auch in der Kombination mit der Faszienrolle. Es ist FÜR Athleten MIT Profiathleten aus diversen Sportrichtungen gestaltet. Außerdem schreibe ich an einem e-Book von dem Athletiktrainer Jesper Schwarz von SoccAtheltix mit, mit dem ich gemeinsam ein Trainingsplan zusammenstelle u.a. mit Yogaübungen für Nachwuchsspieler aus dem Fußball. Hier gibt es kaum Bücher und wenig Know-How, wie man Yoga in das Fußballtraining integrieren kann - gerade im Nachwuchsbereich. Hier soll somit bald Abhilfe geschaffen werden. Außerdem sitze ich gerade dabei neue Großprojekte im Bereich Yoga und Amateur- und Leistungssport auf die Beine zu stellen. Ich möchte hier gerne etwas bewegen und für mehr Akzeptanz von Yoga im Leistungssport sorgen. Da darf man auch gespannt sein.

Welche Gedanken kommen dir in den Sinn, wenn Du über den Satz ,,Spielen durch Kinderaugen'' nachdenkst?
Kinder finden eine Art Ernsthaftigkeit beim Spielen. Sie weinen fürchterlich, wenn sie verlieren, ärgern sich über sich selbst. Es ist viel Eifer und Leidenschaft dabei. Man könnte fast sagen, es ist ihre Art zu Arbeiten. Vieles läuft auch noch instinktiv und die Lernprozesse sind enorm. Gerade bei den ganz Kleinen. Sie sind fest überzeugt, dass sie mal Lionel Messi sein können, wenn sie heute gut spielen. Träume sind für sie noch greifbar.

Wie würdest Du aus deiner eigenen Sicht die heutige Lebenswelt von Kindern beschreiben (u.a. Bewegung im Alltag, Freiraum zum Spielen)?
Freiraum gibt es gar nicht mehr, wie wir es in unserer Kindheit erleben durften. Der Tag, die Woche der Kinder ist durchgetaktet. Sie haben einen dicken Terminkalender. Kinder treffen sich nicht mehr auf dem Bolzplatz. Sie werden von den Eltern in Bambini-Mannschaften angemeldet und spielen an festen Tagen. Schulkinder spielen viel mit Handy, Playstation oder Laptops. Sie bewegen sich immer weniger. Zu dem kommt im frühen Alter schon der Leistungsdruck durch die Gesellschaft, die Eltern und die Schule. Konzentrationsschwächen, Ängste, Stress und mangelndes Selbstvertrauen zeigen sich immer mehr. Auch Schmerzen und Verletzungen durch Überbelastungen, die die Kinder heute in höheren Ligen erfahren, oder Problematiken mit Wachstumsfugen spiegeln sich in längeren Trainingsausfällen und werfen Kinder aus dem Wettbewerb. Die Leichtigkeit und Gelassenheit, den Raum für Kreativität und Spontanität sehe ich nicht mehr so groß wie früher.

Wir möchten in diesem Interview positive Aspekte von Yoga für Kinder und Jugendliche hervorheben. Ganz allgemein: Was kann Yoga für die motorische Entwicklung von Kinder und Jugendlichen leisten?
Kinder befinden sich in einem ständig fortschreitenden körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklungsprozess. Die in der Kindheit ablaufenden Entwicklungsvorgänge bilden die Grundlage für ihr zukünftiges Verhalten und ihre Gesundheit. Forschungsbefunde zeigen einen deutlich zunehmenden Mangel an motorischen Fähigkeiten. Im Yoga mit Kindern werden motorisch anspruchsvolle, aber nicht übermäßig anstrengende Bewegung durchgeführt, die auch zur besseren Durchblutung, nicht nur der Muskulatur, sondern auch des Nervengewebes dienen. Auch die Hirnkapillaren, die die Neuronen im Hirn mit Nährstoffen versorgen, wachsen mit körperlicher Aktivität. Die Bewegung regt ebenso den Aufbau neuer Hirnstrukturen an. Lernen und Gedächtnis beruhen auf der Weiterleitung von Signalen an die Synapsen, den Verbindungsstellen zwischen den Neuronen im Gehirn; will sagen, dass Yoga für die geistige und motorische Entwicklung der Kinder mit Sicherheit eine gute Förderung darstellt. Keine Sportart fordert eine ähnlich komplexe Motorik und Koordination.

Eltern, Trainer oder Pädagogen wünschen sich von ihren Kindern, Spielern oder Schülern stets vermehrt Konzentration. Inwieweit kann Yoga die Konzentration von Kindern fördern?
Konzentrationfördernde und meditative Techniken müssen für Kinder attraktiv gestaltet werden. Hier kann man mit Luftballons, Wattebällchen, Igelbällen, Massagespiele, so wie Riech- und Geschmacksübungen arbeiten. Atemtechniken haben zwar einen unmittelbaren Effekt auf die Konzentration, dennoch praktiziert man diese nur abgeschwächt mit Kindern, so dass der Rhythmus von Ein- und Ausatmung nicht stark verändert wird durch beispielsweise einfache Atemwahrnehmung im Liegen bis hin zu „Bienensummen“ oder das „Pusten von Wattebällchen“ - also unbedenkliche Formen der Atemübung. Meditationen aktivieren bei Kindern das Vorstellungs- und Wahrnehmungsvermögen. Musikalische Phantasiegeschichten über CD können ebenso angewendet werden. Selbst Geschichten zu erfinden und sie weiterzuentwickeln, fördert ebenso die Konzentration und Kreativität. Einer startet eine Yogageschichte, bspw. aus der Natur- und Tierwelt, der nächste erzählt sie von vorne und ergänzt sie weiter bis sie nach einer gewissen Zeit zu Ende geht. Der Lehrer sollte das steuern, so dass sie nicht ausartet. In den Yogaübungen selbst kann auch die Konzentration gefördert werden. Durch Selbstreflexion bezüglich Atem und Körper können Kinder ab der Pubertät sich und ihren Körper besser wahrnehmen. Dadurch sind sie in der Lage, konzentriert die Übungen mit dem Atem zu verbinden. Bei Kindern wendet man außerdem kürzere Konzentrationsübungen in den Haltungen an als bei Erwachsenen, d.h. Sie verweilen kurz in einer Haltung und versuche ihren Atem wahrzunehmen, die Dehnung zu spüren und nicht über ihre Grenzen hinauszugehen. Nach einer kurzen Weile geht es in die nächste Haltung über.

Sag mal, Shida: Wie sieht denn eigentlich eine Yoga-Stunde für die Altersgruppe der Bambinis aus? Was sind hier mögliche Inhalte und Ziele? Grob kann man so planen:

  • Begrüßung (10 Min)
  • Ritual Spiel/Bewegungsphase – Yogaübungen (25 Min)
  • Abschlussteil mit Massage, Sinnes und Konzentrationsübungen (10 Min)
  • Endentspannung – Entspannungs/Traum/Phantasiereisen (10 Min)
  • Verabschiedung (5 Min)
  • Ritual


Bei Kindern muss man in der Lage sein, schnell zu improvisieren. Sie lassen sich schwer in feste Strukturen bringen. Einer möchte nicht mitmachen, der andere weint, ein anderer ist abgelenkt. Der Yogalehrer muss mit den Kindern auf Augenhöhe kommunizieren. Sie akzeptieren nicht einfach das Programm, was du ihnen vorgibst. Sie wollen mitbestimmen, mitgestalten, sie haben ihre eigene Auffassungen wie eine Haltung richtig ausgeführt aussehen sollte. Darauf muss man eingehen können als Yogalehrer, gerade bei den Bambinis.   Kinder wollen ein spielerisches und erlebnisorientiertes Yoga erfahren. Statische Übungen werden bei Kindern oft mit dynamischen Bewegungsabläufen abgewechselt, weil sie ein größeres Bewegungsbedürfnis haben. Langes Halten ist langweilig. Außerdem muss es kindgerecht sein. Die Namen der Übungen kommen aus der Tier- und Naturwelt, oft auch nochmals abgewandelter als bei den Erwachsenen. Diese kann man wunderbar in Geschichten einflechten und die Kinder werden zu Mitwirkenden genau dieser Geschichte. Ich lasse Kinder auch mit Musik die Übungen ausführen, ähnlich wie beispielsweise beim Stopptanz kann man eine Übung im Vorfeld auswählen. Die Kinder laufen während die Musik läuft im Kreis herum. Hört die Musik auf, müssen alle in der ausgewählten Haltung stehen bleiben. Wackelt einer, hört das Spiel für sie/ihn auf und sie/er darf die nächste Haltung für die nächste Runde wählen. Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung als wichtigstes Prinzip der Yogaübungen wird auch hier eingehalten. Kinder lässt man zwischendurch auch mal malen, man darf Kuscheltiere oder Lieblingsspielzeuge mitbringen, die auch in die Stunde miteingebunden werden können. Die reine Entspannung am Ende jeder Stunde sollte nie fehlen. Sie ist die wichtigste Einheit. Kinder können wunderbar entspannen. Dabei kann man ihnen im Liegen mit geschlossenen Augen eine Phantasiegeschichte z.b. aus der Fußballwelt vorlesen. Man wird sich wundern wie viele Kinder mucksmäuschenstill mit dem Kuscheltier auf dem Bauch oft sogar in Minuten einschlafen können. Die Yogastunde der Kinder hat immer eine grobe Struktur (siehe oben). Kinder lieben Rituale. Man begrüßt sich mit ,,Namaste''. Namaste ist eine Grußformel, die den höchsten Respekt seinem Gegenüber und sich selbst ausspricht, was wunderbar zum Fußball passt. Kinder könnten beispielsweise einen Wunsch äußern, was sie in dieser Stunde unbedingt machen möchten. Man kann es ähnlich handhaben wie im Stuhlkreis, was viele Kinder aus dem Kindergarten kennen. Im Yoga natürlich auf der Matte. Da dürfen sie das sagen, was sie gerade beschäftigt. Danach geht’s dann auch los mit der Bewegung. Zur Abwechslung vielleicht mal ein Bild mit den Füßen malen, dann können die Kinder ihr Kuscheltier auf den Kopf legen und versuchen, ihn zu balancieren, ohne dass er runterfällt. Die Stunde sollte nicht länger als 45-60 Minuten gehen. Länger ist es kaum möglich, die Konzentration der Kleinen zu halten. Nach der Entspannung endet die Stunde, in dem man sich von allen wieder mit ,,Namaste'' verabschiedet. Jeder rollt seine Matte wieder ein und sorgt dafür, dass alles weggeräumt wird. Im Yoga mit Kindern sollte man sich anfangs auf Regeln einigen. Die könnte man von allen unterschreiben lassen. Das finden Kinder super, unterschreiben wie Mama oder Papa. Es gibt in der Yogaphilosophie den 8-gliedrigen-Pfad. 2 davon beschreiben das Sozialverhalten (Yamas) und den Umgang mit sich selbst (Niyamas). Die soziale Akzeptanz der Kinder untereinander wird dadurch gefördert und ein Konkurrenz- und Leistungsdenken wird dadurch im Yoga vermieden. Das ist der wesentliche Unterschied zum Fußballtraining. Die innere Einstellung wird durch die Wahrnehmung der eigenen Grenzen bei gleichzeitiger Vermeidung von Überforderung entwickelt. Auch eine Mattenregel sollte eingeführt werden. Jeder bleibt auf seiner Matte, es spricht immer nur einer, da wir die Zeit des anderen nicht stehlen und ihm Aufmerksamkeit und Respekt schenken wollen (siehe Regeln der Yamas). Bei Regelverstößen kann man dann auch mal die gelbe oder rote Karte einbinden.

Im Vergleich zu der Bambini-Gruppe jammern besonders Nachwuchstrainer und Eltern über Jugendliche in der Pubertät. In diesem Alter wird ihnen nachgesagt, dass sie ihre Emotionen bzw. Gedanken nicht im Griff haben. Das Gehirn befindet sich in dieser Zeit in einer Art neuronalen Umstrukturierungsphase. Wie kann Yoga im Hinblick auf psychosoziale Ressourcen und die Entwicklung des Gehirns positiv Einfluss nehmen? Gibt es dazu interessante Erkenntnisse?
Zunächst reifen während der Pubertät vor allem die Bereiche, die für die Wahrnehmungs- und Bewegungssteuerung zuständig sind, der sensorische (Wahrnehmung) und der motorische Cortex (Bewegung). Genau diese Bereiche werden im Yoga besonders angesprochen. Sie fördern diesen Reifeprozess. Auch das Belohnungssystem, dass durch das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird, reduziert sich in der Pubertät stark. Daher finden viele Jugendliche Dinge, die sie vorher als Kind aufregend empfanden als langweilig. Daher muss auch ein Yogaunterricht bei Jugendlichen anders gestaltet werden als bei Bambinis. Die Jugendlichen suchen Herausforderungen auch im Yoga. Sie wollen lieber wie Erwachsene behandelt werden, es gibt im Yoga kein Falsch, daher machen sie auch keine Fehler, man wird nicht kritisiert, ganz im Gegenteil, die reifenden Erwachsenen sollen mental aufgebaut werden. Die Pubertät ist eine aufregende Lebensphase, wo sich auch der Körper äußerlich stark verändert. Die Hormone spielen verrückt, auch die Stimmungsschwankungen sind normal. Man ist nicht mehr Kind und auch noch nicht Erwachsener. Yoga für Jugendliche hilft wieder fröhlich und positiv gestimmt zu sein, gerade wenn im Training, in der Schule, oder erste Liebe oder mit den Eltern etwas nicht rund läuft. Entspannungsübungen können ihnen helfen die Selbstwahrnehmung zu schulen, seelischen, sportlichen und schulischen Druck abzubauen. Über die körperliche Bewusstheit kommt auch die Bewusstheit für die eigenen Emotionen und Energien, die wechselnden Stimmungen - und die Fähigkeit, diese bis zu einem gewissen Grad zu beeinflussen. Es kann ihnen ein gutes Stück Selbstvertrauen schenken. Yoga im Team stärkt zudem das Wir-Gefühl enorm. Es ist weniger peinlich auch als Junge Yoga zu praktizieren, denn alle machen mit und sehen, dass sie beweglicher werden, dass sie weniger Verletzungen und Schmerzen haben und zudem leistungsfähiger sind. Ihnen fällt es auf, wie sie durch Yoga ihre Konzentration steigern können und ihre individuellen Grenzen mit der Zeit verschieben. Yoga hilft gerade Jugendlichen in dieser wichtigen Selbstfindungsphase.

Welche allgemeinen Probleme siehst Du bei der Umsetzung von Yoga für den Nachwuchsfußball?
Ressource, Zeit und Geld. Das Problem ist, dass die Kinder keine Profis sind, die Vollzeit Fußball spielen. Sie gehen zur Schule, üben vielleicht noch einen anderen Sport aus oder spielen noch ein Instrument. Die Trainer sind oft selbst am Arbeiten und tätigen den Job ehrenamtlich. Manche Trainer sind Eltern, die nicht viel Zeit haben und zu dem gar nicht ausgebildet sind, als Trainer zu agieren. Außerdem fehlen den Vereinen die Gelder, um diese Ämter zu bezahlen. Eltern oder regionale Unternehmen sponsern die Trikots. Die Kinder spielen eventuell 2x die Woche Fußball, am Wochenende ein Spiel. Im Idealfall trainieren sie 3x und in höheren Ligen dann auch schon mal 4x. Wo soll man die Zeit kürzen, um Yoga einzubauen? Selbst ein klassisches Athletiktraining mit Kraft und Ausdauer startet im frühen Pubertätsalter. Idealerweise baut man 1x pro Woche eine Yogastunde ein, um Kraft, Stabilitätsübungen mit abzudecken, zu dem auch nach einem Spiel eine geteilte Trainingsstunde mit einer regenerative 20-minütigen Yogaeinheit am Schluss.

So könnte es am Beispiel C-Jugend aussehen:  

  • Samstag – Spieltag C-Jugend
  • Montag – Training Spielform (1 Std und 10 Min Technik & Taktik und 20min. regenerativer Yoga-Abschluss)
  • Donnerstag – Training Spielform (Yoga Stabi/Mobi/Kraft 45 Min und im Anschluss Technik & Taktik 45 Min)

Falls es sich um drei oder vier Trainingstage handelt, ist es sicher einfacher Yoga einzubinden. Man kann auch die Gruppen aufteilen. Eine Gruppe praktiziert Yoga 45 Min., danach Spielform (Technik/Taktik) und dann kommt die andere Hälfte und startet mit 45 Min Yoga und die andere Gruppe geht über zu Spielform.


Wichtig ist, dass man einen ausgebildeten Yogalehrer findet (idealerweise 2 Jahre Ausbildung mit mind. 500 Stunden – dieser Beruf ist leider nicht geschützt), mit einer Qualifizierung als Kinderyogalehrer und sich idealerweise mit Fußball auskennt. Ein ausgebildeter Physiotherapeut und Yogalehrer ist natürlich auch eine sinnvolle Verbindung.

,,Integration von Körper und Seele'' ist eine wichtige Leitidee des Yogas. Für mich persönlich stellt diese Form der Integration, eine wichtige Möglichkeit zur Regeneration dar. Kannst Du aus deiner Sicht einschätzen, ob der heutige Leistungssport sich dieser wichtigen Integrationskraft wirklich bewusst ist und inwieweit die einzelnen Sportler diese Leitidee auch wirklich annehmen?
Mittlerweile haben die Profivereine Yogalehrer oder auch Mentaltrainer eingesetzt. Hier hat man verstanden, wie wichtig es ist, diese mentale, geistige Komponente bei der Regeneration mit zu berücksichtigen. Siege und Niederlagen können ja schon im Kopf besiegelt werden. Darüber ist man sich heute schon klar. Außer Nachdehnen, Kaltwasser, Sauna, Foam Rolling gelten heute auch Powernapping, Musik, psychologische Entspannungstrategien und auch Yoga als regenerationsfördernde Maßnahmen. Bei jüngeren, frischen Profispielern ist die Akzeptanz noch nicht so groß, was Yoga angeht. Es herrschen noch viele Vorurteile, dass Yoga nur etwas für Frauen ist. Sie ziehen ein Kaltwasserbad oder das Rollen vor. Erfahrenere Spieler, die jedoch schon Verletzungen erlitten haben und wissen, was es heißt, zurückgeworfen zu werden, schätzen die Wirkung von Yoga, verstehen warum Beweglichkeit und Stabilität und auch Konzentrationsübungen so leistungsfördernd im Fußball sind. Ausländische Spieler verbinden Yoga auch noch mit Religion oder mit Frauensport. Wenn Trainer-, Physio- und Ärzteteam sich einig sind und Yoga etablieren, indem beispielsweise ein Trainer, Co-Trainer oder auch Torwarttrainer und Athletiktrainer mit teilnehmen, ist die Akzeptanz höher in der Mannschaft. Ich denke, hier bewegt sich gerade etwas und auch andere Profisportler mit ähnlichen Vorurteilen sehen die positiven Wirkungen von Yoga gerade im Leistungssport. Bei Jugendlichen ist das schwer. Hier schaffen es am Ende dann doch sehr wenige in die Profimannschaften, die Budgets sind klein. Dass es der eine oder andere vielleicht nicht geschafft hat, weil er vielleicht kein Yoga oder andere regenerative Maßnahmen genießen durfte und er zu oft verletzt ausfiel, ist leider die Krux an der Geschichte. Bei Jugendlichen wird Schlaf und Entspannung sowieso unterschätzt. Entspannung bedeutet Chatten, Playstation spielen und lange mit Freunden ausgehen. Alles muss cool sein. Ich denke, dass wir aber auf einem guten Weg sind, dass auch diese Spieler Yoga irgendwann cool finden und dann spüren, dass es auch noch cooler sein kann, durch die Unterstützung von Yoga erfolgreicher geworden zu sein. Wenn ein Trainer Yoga integriert und ein Trainerwechsel stattfindet, führt das auch sehr oft dazu, dass der Yogalehrer oder Mentaltrainer ebenso seinen Job verliert. Leider hängt das noch zu sehr am Trainer und seiner Leitfigur ab. Das sollte sich ändern.

Zu guter Letzt: Hast Du einen besonderen Tipp, eine lustige Anekdote, einen Wunsch oder eine Weisheit, welche Du mit uns teilen kannst?
Ich wünsche mir, dass sich Yoga im Leistungssport und gerade im Fußball etabliert. Dass Vereine den Nutzen erkennen und es unabhängig vom Trainer einfordern, Yoga als festen Bestandteil im Training einzubauen.   Besonders im Nachwuchsbereich wünsche ich mir, dass Kinder in den Genuss kommen, früh Yoga zu erfahren und um lange und gesund Spaß an ihrem Hobby zu haben. Da passt passend das Zitat von Mahatma Gandhi:   „Be the change that you wish to see in the world.“ Oder in Deutsch: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“ Ich versuche meinen Beitrag im Rahmen meiner Möglichkeiten zu leisten!

Shida, herzlichen Dank für die Einblicke und das Interview!

Danke Rainer für deine Kontaktaufnahme! Ich freue mich auch, von mehr von Dir zu lesen.

Interview auf "Der_kleine_Lionel" Website

Website Der kleine Lionel

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