GRENZerfahrung - über den Umgang mit Grenzen im Yoga

Zurzeit arbeite ich viel mit Sportlern zusammen. Sportler sind besondere Menschen. Sie sind ehrgeizig, zielgerichtet, haben Pläne und Programme, trainieren ihren Körper auf Höchstleistung. Ihr Kopf weiß, was gut für ihren Körper ist. Sie lesen viel, wissen viel, lernen ihren Körper aus Sicht von Trainings- und Ernährungsplänen kennen. Aber oft entsteht bei mir der Eindruck, als sei der Körper eine Schablone ihrer Reißbrettstrategie. Inputfaktoren auf der einen Seite, Leistungsoutput auf der anderen. Gebe ich das hinein, bekomme ich das heraus. Grenzen sind Ausdruck eines schlecht gewählten Trainingsprogramms. Inputfaktoren müssen angepasst werden: ein bisschen mehr Schlaf, ein Tag mehr Regeneration, die Ernährung umstellen. Und dann stimmt der Output wieder. Grenzen sind Herausforderungen, die mit Kontrolle und Planung überwunden werden können. „Grenzen existieren nur in deinem Kopf“, höre ich da schon mal. „Das ist alles mental.“ Und dann sehe ich sie, auf ihrer Yoga-Matte, das Gesicht ist schmerzverzerrt, die Haltung unangenehm, die Dehnung zu viel. Der Atem stockt. „Komm ein wenig raus aus der Haltung“, sage ich, „das ist zu viel. Spüre in deine Grenze. Nimm sie an. Das ist, wo du heute stehst. Atme in die Grenze hinein. Entspann dich dort. Dann wird sich was lösen.“ Manchmal glaube ich, meine Empathie ist ihnen suspekt. Die Irritation in ihren Augen springt mich an. Hab ich zu viel Verständnis? Damit kommt man nicht so weit. Wer Ziele hat, der muss hart sein. Kämpfen. Vor allem mit sich selbst. Gegen die Grenzen. Und gegen seinen Körper. Doch Yoga hat einen anderen Blick auf Grenzen. Im Yoga steht das SEIN im Zentrum. Das, was gerade ist. Und nicht das, was ich erreichen will. Durch Yoga kann ich meinen Körper „aus meinem Körper heraus“ kennenlernen. Indem ich ihn spüre, ihn atme, ihn wahrnehme als einen Raum, der natürlicherweise BeGRENZungen hat. Begrenzungen in der Form von Enge, Inflexibilität, Kraftlosigkeit, manchmal auch Schmerzen. Und es gibt kein Programm, keine Pulsuhr, keine Waage, die mir sagt, wie ich an dieser Stellte mit der Grenze meines Körpers umgehen soll. Kein Input-Output-Modell. In diesem Moment gibt es nur mich, meinen Körper, meine Yogahaltung, meinen Atem, und mein Bewusstsein. Und wenn ich mich einlasse auf die GRENZerfahrung, ohne sie verändern zu wollen, ohne schon am Ziel sein zu wollen, ohne die perfekte Haltung zu wollen, den perfekten Körper, die perfekte Leistung, dann passiert oft folgendes: die Grenze lässt los. Sie verschiebt sich. Warum das so ist, weiß ich nicht. Es ist ein Paradox des Fortschritts in sich selbst. Loslassen, um Weiterzukommen. Innehalten, um sich zu bewegen. Die Grenze annehmen, bis sie sich auflöst. Das ist Yoga. Vollkommenheit im Ist-Zustand ist immer schon vorhanden. 3 Tage später stehe ich selbst beim Training. Ich spüre mich, meinen Puls, meinen Atem, meine Grenze. Es reizt mich nicht mehr, diese Grenze mit Willenskraft und Härte zu durchbrechen. Noch mehr Gewichte zu stemmen. Noch schneller zu laufen. Ich mag es, die Grenze zu spüren und sie sanft zu überschreiten, kaum merklich. Ich schaue mich um. Die Leistung von vielen anderen in diesem Raum werde ich wohl erstmal nicht erreichen.

Whatever your aim, be good to yourself!

Katharina

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